Schneiders Zeitblick
Die vier Feinde des Sozialismus: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Inzwischen gesellen sich auch noch Terroristen dazu, wie die Berliner am 3. Januar schmerzlich erleben mussten. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei haben vaterlandslose Gesellen eine Hauptleitung sabotiert. Der vorsätzlich gelegte Brand hat neun Hauptkabel beschädigt und damit Teile im Süden Berlins lahmgelegt. 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe waren davon betroffen. Hinzu kommen Krankenhäuser, Pflegeheime und andere soziale Einrichtungen.
Dabei hätte das alles nicht sein müssen, denn es gab eine gut funktionierende Ringleitung der DDR. Die Wirtschaft im Osten war bekanntlich auf Kante genäht und daher äußerst empfindlich gegen Stromausfälle. Um dem vorzubeugen, wurde das ganze Land von einer ringförmigen Trasse versorgt. Kam es zu einer Havarie, speiste man den Strom einfach von der anderen Seite in das ausgefallene Netz ein. Die defekte Stelle konnte in aller Ruhe repariert werden. Nach der Wende hat man dieses gut funktionierende System zerschlagen und die Idee, dass es im Winter auch mal kalt und dunkel werden könnte, ist man nicht gekommen. Pech nur, wenn es dann doch mal kalt wird. Um den 9. Januar herum wurde Deutschland vom Sturmtief Elli heimgesucht, mit Frost, Schnee, Glatteis und Verwehungen im Gefolge.

Das erinnert mich an den 31. Dezember 1978, als die vierte Heimsuchung des Sozialismus, der Winter, über uns hereinbrach. Damals lag es an dem zusammengebrochenen Kohlenachschub aus den Tagebauen. Heute liegt es eher an der Leichtfertigkeit verantwortlicher Politiker, die immer noch meinen, der Strom käme aus der Steckdose. Bereits in der Dezemberausgabe des Eutritzscher Rundblicks 2021 habe ich darauf hingewiesen, dass es falsch ist, sämtliche Schornsteine bis unter die Dachhaut zurückzubauen. Klar, dass das die oberen Zehntausend nicht interessiert, denn die hocken vielfach in ihren Einfamilienhäusern mit Kamin. Wenn es kalt wird, schmeißt man einfach den Ofen an. Davon können viele Menschen, wie Sie und ich, nur träumen. Wir sind schon froh, eine bezahlbare Mietwohnung zu haben.
Dass Sie, liebe Leser, gut durch den Frost kommen, hofft herzlichst
Ihr Jürgen Schneider (schneiders-zeitblick@web.de)