„Ich möchte, dass sich jedes Kind gesehen, geschätzt und gehört fühlt.“
Interview von Jana Langs mit Marie Mandel, Lehrerin der 33. Schule, Grundschule Leipzig
Wie lange unterrichten Sie schon an unserer Schule und was hat Sie dazu bewegt, den Beruf der Lehrerin zu ergreifen?
Frau Mandel: Ich unterrichte seit 2017 an der 33. Schule. Dabei wird mir gerade klar, dass ich nächstes Jahr 10 Jahre im Team bin. Davon bin ich selbst total überrascht, es fühlt sich gar nicht so lange an. Nach dem Referendariat in Berlin war die 33. Schule meine erste Festanstellung. Meine Mama war bereits Lehrerin – mit vollem Herzen. Ich denke, dass ich auch Lehrerin werden wollte, weil mich ihre Leidenschaft und Freude an ihrer Arbeit total beeindruckt haben. Mittlerweile ist sie Rentnerin, aber sie ist ihr Leben lang gerne zur Arbeit gegangen. Ich hoffe, dass schaffe ich auch!
Was macht für Sie eine positive Lernatmosphäre aus und wie wichtig ist dabei eine gute Kommunikation mit den Eltern?
Frau Mandel: Für mich steht die Beziehung zu den Kindern an allererster Stelle. Ich möchte, dass sich jedes Kind gesehen, geschätzt und gehört fühlt. Wer sich in der Klasse wohlfühlt, lernt auch gut. Ich finde es total wichtig, dass wir zusammen lachen, auch mal Quatsch machen und die Ideen der Kinder Raum einnehmen dürfen. Genauso wichtig ist mir, dass Fehler zum Lernen gehören
und ich auch meinerseits Fehler zugebe, wenn sie mir passieren. Ich glaube, dass es auch die Eltern spüren, wenn man es gut mit den Kindern meint. Lehrer und Eltern sind auf Augenhöhe und durch ein gemeinsames Ziel vereint – dem Kind bestmögliches Lernen zu ermöglichen.
Würden Sie sagen, das Thema Integration ist an unserer Schule gut umgesetzt?
Frau Mandel: Ich mag an der 33. Schule, dass die Schülerschaft total heterogen ist. Bei uns sitzen Kinder verschiedenster Herkunft nebeneinander – platt gesagt: Das Arztkind sitzt neben dem Kind mit Fluchterfahrung. Kinder brauchen andere Kinder, an denen sie lernen und sich orientieren können. Davon profitieren alle auf verschiedenen Ebenen. Das eine Kind hat ein gutes
sprachliches Vorbild, das andere Kind lernt durch den Austausch mehr über kulturelle Vielfalt und Empathie. Natürlich ist das Miteinander im Alltag nicht immer harmonisch, aber ich denke, dass Integration nur so funktionieren kann.
Ist in der nächsten Zeit ein interessantes Projekt oder eine Unternehmung geplant, von der Sie uns gern kurz erzählen möchten?
Nächsten Monat steht unsere Klassenfahrt an. Ich freue mich, dass alle vierten Klassen zusammen reisen. Die Kinder sind schon voller Vorfreude! Meine letzte Klassenfahrt war kurz vor dem ersten Lockdown und ich habe sie in total schöner Erinnerung. Außerdem, am 27. Mai 2026 hat die Grundschule ihren Tag der offenen Tür. Grundsätzlich denke ich sehr oft an meine ehemaligen Schülerinnen und Schüler. Vier Jahre lang sieht man sich fünf Tage die Woche und dann von einem Tag auf den anderen gar nicht mehr. Dabei schließt man diese Kinder über die Jahre fest ins Herz. Aus meinem ersten Jahrgang schreiben die Oberschüler in den kommenden Wochen ihren Realschulabschluss. Das ist so verrückt! Die sind erwachsen! Die meisten würde ich auf der Straße wahrscheinlich gar nicht mehr erkennen. Darum hier meine Chance zu sagen: Grüßt eure alten Grundschullehrerinnen! Die freuen sich mega darüber, auch wenn sie euch vielleicht nicht direkt erkennen.