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Historische Ansichten von Eutritzsch (143)

Das Wohnhaus Delitzscher Straße 28

Die Ecke Delitzscher Straße / Wilhelminenstraße ist nun wieder bebaut. Bei dem schweren Luftangriff der britischen Royal Air Force auf Leipzig am 4. Dezember 1943 wurde die Eckbebauung zerstört. Den Bomben zum Opfer fi elen die Delitzscher Straße 26a und 28 sowie die Wilhelminenstraße 3 und 5. Der Neubau an der Ecke der Delitzscher und Wilhelminenstraße trägt den Namen „Kupferhaus“. Das Gebäude hat die Hausnummern Delitzscher Straße 28 und Wilhelminenstraße 5. Entworfen vom Leipziger Büro Mann & Schott Architekten, wurde es 2024 fertiggestellt. Es entstanden moderne Wohnungen und Gewerberäume. Ein begrünter Hof mit Spielplatz und Bänken lädt zum Verweilen ein.

Wir gehen ins 19. Jahrhundert zurück und betrachten die Entstehung und das Leben des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hauses Delitzscher Straße 28. In den 1880er Jahren mit der Adresse Leipziger Straße 71 wohl von Maurermeister und Hausbesitzer August Kluge erbaut, schloss es die Lücke zum bereits schon stehenden Eckhaus Lindenstraße 1 (seit 1908 Wilhelminenstraße) mit dem Restaurant „Deutsche Reichshallen“. Die Gaststätte änderte später ihren Namen, erst in „Reichshallen“, dann „Zum deutschen Pilsner“ und nach 1908 auch ihre Anschrift in Delitzscher 26a, da der Eingang zum Haus auf die Seite der Hauptstraße verlegt wurde.

Teil der neuen Delitzscher Straße 28 mit Zugang zum Haus, am 11. März 2026
Die Delitzscher Straße 28 mit dem Eutritzscher Haupt-Möbel-Magazin und der Färberei Hugo Luckner, um 1904

Unter den ersten Mietern der neuerbauten Leipziger Straße 71 waren ein Korbmachermeister, ein Kaufmann und ein Wollsortierer. Mit der Eingemeindung von Eutritzsch in die Stadt Leipzig 1890 wurde aus der Leipziger Straße 71 die Delitzscher Straße 28. Tapeziermeister Richard Schreiter und seine Ehefrau werden 1892 Hausbesitzer und eröffnen im Erdgeschoss eine Möbel- und Tapetenhandlung, die Schreiter später Eutritzscher Haupt-Möbel-Magazin nennt. Ein Parterre-Ladenlokal vermietet er an die Färberei und chemische Wäscherei Hugo Luckner, dessen Fabrik in Wahren ist und die in Leipzig 15 weitere Filialen betreibt. 1907 wird Tapeziermeister Max Groß Inhaber des Möbelmagazins und ab 1917 betreibt Elsa Müller in den Räumen des nun geschlossenen Möbelmagazins eine Fisch- und Feinkostwarenhandlung, die 1920 Nikolaus Papanikolau übernimmt. 1923 wird eine Frau Müller aus Rochlitz Besitzerin der Delitzscher Straße 28, die bei den Bombenabwürfen der ca. 450 britischen Bomber 1943 ihr Haus verliert. Die hunderten Toten sollen nicht unerwähnt bleiben!

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Im Leipziger Adreßbuch 1943 finden in der Delitzscher Straße 28 folgende Ladengeschäfte Erwähnung: Zoologische Handlung Oskar Böhm, Kaufmann Paul Hanke, Weinhändler Wilhelm Horn. Nun ist die Brachfläche, die die meisten Eutritzscher nicht anders kennen, mit einem gelungenen Gebäudekomplex bebaut, der sich in die Umgebung harmonisch einfügt. Verwaltet und vermietet wird das Ensemble durch die BUWOG Immobilien Treuhand GmbH.

Frank Heinrich