Schneiders Zeitblick
Leipzig ist pleite
Das nenne ich mal eine Punktlandung. Vor 10 Jahren ging’s uns noch gut, und heute sind die Kassen leer. Äußeres Zeichen für den Niedergang ist der bis auf die Knochen abgemagerte Löwe im Stadtwappen. Sogar die Oper steht bis 2028 vor der Pleite. Wo ist es denn hin, das viele schöne Geld? Oder anders herum gefragt, warum fließt es nicht mehr ins Stadtsäckel?
Die Antwort darauf finden sie bereits in meiner Kolumne vom Februar 2020 (Mein lieber Kokoschinsky). Wer die Wirtschaft ruiniert und die Steuern ins Unermessliche treibt, darf sich nicht über den Niedergang wundern. Selbst Sozialleistungen, wie z. B. das Wohngeld, werden nicht mehr regelmäßig ausgezahlt. Rentner, von denen viele ohnehin kaum über die Runden kommen, müssen den Gürtel immer enger schnallen. Begründet wird das mit Personalmangel im Rathaus. Dabei will man die Verwaltung um 500 Mitarbeiter ab 2027 reduzieren, um Kosten einzusparen. Jetzt ist Heulen und Zähneklappern angesagt.
Nun, ich kann mit dem Kürzen der Mittel für fragwürdige Projekte soziokultureller Zentren gut leben. Dort wird ohnehin nicht nur gesungen und geklatscht, sondern auch der Umgang mit Spraydosen gelehrt. Das Ergebnis kann man in der ganzen Stadt bewundern. Vollgeschmierte Häuser, wohin man schaut! Das braucht kein Mensch!
Nur um die Oper wär’s schade. Der Neubau der Leipziger Oper wurde am 8. Oktober 1960 mit Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ ganz klassisch eröffnet. Ich habe es gesehen und war begeistert. Früher sind wir gern hingegangen. Doch in den letzten Jahrzehnten haben die Aufführungen das Maß an Erträglichkeit weit überschritten. Kunstgenuss ist der Selbstdarstellung zweifelhafter Regisseure gewichen. Ich habe nichts gegen das Entstauben klassischer Werke, aber die heute üblichen Neuinterpretierungen betrachte ich als Vergewaltigung unseres kulturellen Erbes.
Übrigens, kennen Sie den Unterschied zwischen dem MDR und André Rieu? Im MDR wird gespielt, was den Dirigenten begeistert und Rieu spielt, was dem Publikum gefällt. Diese Maxime des holländischen Star-Geigers sollte auch in der Politik Einzug halten. Entscheidet endlich im Sinne der Menschen, die euch gewählt haben!
Der wohlstandsverwahrlosten Jugend, die heute vom Sozialismus träumt, empfehle ich dringend, ein freiwilliges Jahr in Nordkorea zu machen. Dort sind alle gleich (arm) und wer nicht in der Spur
bleibt, wird erschossen. Oder anders ausgedrückt: Der Sozialismus ist wie Heroin. Die erste Dosis macht euphorisch, aber den Rest kannste vergessen!
Dass Ihnen, liebe Leser, der sich anbahnende Sozialismus erspart bleibt, hofft herzlichst
Ihr Jürgen Schneider
(schneiders-zeitblick@web.de)
Der Text ist Satire im Sinne des deutschen Presserechts.
