Schneiders Zeitblick
Das ewige Licht
Als ich Kind war, erzählte mir mein Opa von einem Mann in Amerika, der die ewige Glühbirne erfunden hat. Doch statt die geniale Erfindung in die Geschäfte zu bringen, wurde sie von einem Leuchtmittelhersteller aufgekauft und verschwand in dessen Tresor. Auf die Frage warum, kam die Antwort, dass man dann in einigen Jahren keine Glühbirnen mehr hätte verkaufen können. Die Produktion wäre auf ein Minimum zusammengebrochen und damit auch die Gewinne.
Dazu fand ich vor kurzem im Internet einen Beitrag, der die Geschichte meines Opas bestätigt. In Livermore, Kalifornien, leuchtet genau diese Glühbirne seit dem Jahr 1901 ununterbrochen bis heute. Sie trägt den Namen „Centennial Light“. So etwas nennt man Nachhaltigkeit. Also genau das Gegenteil von dem, was mit der Wende zu uns herüber geschwappt ist, die Wegwerfgesellschaft. Ich weine der DDR bestimmt keine Träne nach, aber in puncto Nachhaltigkeit, also Reparatur und Wiederverwendung, waren wir Spitze!
Inzwischen versucht man diesen Teufelskreis zu durchbrechen, fängt aber am falschen Ende an. Wir, die kleinen Leute sollen sparen und die Umwelt nicht belasten. An die großen, internationalen Konzerne kommt man nicht heran. Doch genau die sind es, die den meisten Müll verursachen.
Beispiele gefällig? Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass Haushaltsgeräte nur eine bestimmte Nutzungsdauer haben. Danach geht irgend ein Teil kaputt, was so verbaut ist, dass man es nicht oder nur sehr schwer auswechseln kann. Eine Reparatur lohnt sich nicht! Also Neukauf, womit die Produktionskapazitäten, Arbeitsplätze und damit natürlich auch die Gewinne erhalten bleiben.
1990 hatte im Westen fast jeder Haushalt ein Telefon. Im Osten waren es nur elf Prozent, auf dem Land sogar nur vier. Und heute? Das wievielte Handy haben Sie seit Beginn der Mobilfunkära gekauft? Jedes Jahr erscheinen neue Modelle, die Begehrlichkeiten wecken.
Oder denken wir an die vielen Fast-Food-Ketten. Von „Mäc Klops bis zu Coffee to Pappe“ reicht die Palette derer, die täglich Unmengen von Müll produzieren. Doch statt diesen Abfall hier zu verwerten, wird er aufwändig mit dem Schiff nach Asien und Afrika verschifft, wo er auf stinkenden Halden oder am Ende sogar im Meer landet. Die zaghaften Versuche mit Mehrweggeschirr scheitern vielfach an der liebgewonnenen Bequemlichkeit der zumeist jungen Kundschaft.
Dabei hat gerade unsere Ingenieurskunst größte Chancen, diesen Missstand abzuwenden. Die technischen Hochschulen hierzulande haben Verfahren entwickelt, um aus dem Abfall wieder brauchbare Grundstoffe zu machen. Aber so weit mir bekannt ist, stecken diese Verfahren immer noch im Versuchsstadium fest. Die Verpackungsindustrie zeigt kein Interesse an recyceltem Material.
Unsere Altvorderen haben es uns doch vorgemacht. Handwerksinnungen wurden zu Beginn der Industrialisierung in die Wirtschaftskreisläufe mit eingebunden. Produktion und handwerkliche Instandhaltung bildeten eine Einheit. Das war der Grundstein der Nachhaltigkeit!
Hoffen wir also, dass den Politikern, die für unser Land Verantwortung tragen, ein Licht aufgeht. Es muss ja nicht für ewig sein!
Dass auch Ihnen, liebe Leser, immer ein Licht leuchtet, hofft herzlichst
Ihr Jürgen Schneider
(schneiders-zeitblick@web.de)
Der Text ist Satire im Sinne des deutschen Presserechts.

