Historische Ansichten von Eutritzsch (145)
Die Handelsfirma Oscar H. Groh
Unser heutiger Beitrag betrifft die Handelsfirma Oscar H. Groh. Eine Firmenpostkarte vom 26. Februar 1920 soll uns bei der Betrachtung helfen. Sie besagt, dass die Firma 1909 gegründet wurde. Ich finde den Kaufmann Oscar H. Groh erst 1912 als Fabrikvertreter (Agenten) von Buchbinderbedarfsartikeln in der Heinickestraße 15, einem interessanten Mehrfamilienhaus, das 1910 fertiggestellt wurde. Die Straße wurde 1907 nach Samuel Heinicke benannt, der 1778 in Leipzig die erste deutsche Taubstummen-Lehranstalt („Churfürstlich-sächsisches Institut für Stumme und andere mit Sprachgebrechen behaftete Personen“) begründete.
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1913 nennt sich Kaufmann Groh Papier- und Pappen-Fabrikvertreter und zieht 1914 ins Parterre der Bünaustraße 7. Die Bünaustraße hieß von 1870 bis 1904 Albertstraße (König Albert von Sachsen, 1828–1902). Durch die Doppelung mit der Albertstraße in Leipzig (seit 1947 Riemannstraße) erfolgte 1905 die Benennung nach den ehemaligen Besitzern des Rittergutes Eutritzsch, den Herren von Bünau. Um 1920 hat sich die Firma Oscar H. Groh in der Bünaustraße 7 weitere Räumlichkeiten erschlossen. So wechseln das Ein- und Ausfuhrgeschäft und seine Wohnung zwischen den Aufgängen A und B und der zweiten Etage des Gartenhauses.
Oscar H. Groh firmiert z. B. unter Baumwollwaren im Aufgang A, während er im Erdgeschoss des Aufgangs B wohnt. Hier kommen wir nun zur abgebildeten Postkarte von 1920. Adressat ist die Firma Carl Keil in Crimmitschau. Das Manufaktur- und Modewarengeschäft (Inhaber Felix Keil) ist in der Oberen Silberstraße (heute Silberstraße), Nähe des Marktes. Crimmitschau ist für seine Tuch- und Textilherstellung bekannt.
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1922 geht Groh in die Leipziger Marienstadt. Er kauft das geschichtsträchtige Anwesen mit Garten Salomonstraße 26–28, Ecke der Egelstraße und verlegt seinen Firmensitz nach dort. Seine Firma nennt sich nun Baumwollwaren-Fabrikation u. Großhandlung. Das 1897 vom Architekten Georg Wünschmann für die Familie Baumgärtner entworfene Haus, in dem sich bisher auch Baumgärtner’s Buchhandlung befand, lässt Groh durch Otto Droge (Architekt der Gutenbergschule) im Stil des Art déco umbauen.
Bereits 1926 verliert sich die Spur von Oscar H. Groh. In der Salomonstraße gibt es neue Eigentümer. 1943 finden wir in Grohs Räumlichkeiten eine Außenstelle der Reichsfilmkammer. In den 1950er Jahren war hier der Urania-Verlag. Heute hat das sanierte und wieder private Anwesen mit dem Namen „Villa Baumgärtner“ eine edle Ausstrahlung und ist Firmensitz etlicher Unternehmen.
Frank Heinrich