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Historische Ansichten von Eutritzsch (144)

Eine kuriose Postkarte in die Petzscher Straße 11

Die Eutritzscher Petzscher Straße hatte viele Schreibweisen. 1889 hieß sie Pötzschauer Straße, ab 1892 viele Jahre Petzschauer Straße. 1908 erhielt sie ihren heutigen Namen: Petzscher Straße. Doch auch Pétscher Straße sagt uns ein Atlas vom August 1946. Bis heute ist es nicht sicher, wie sich der wüste Ort vor 1287 wirklich genannt hat.

Warum sind wir wieder einmal bei der Petzscher Straße? Ich halte eine Postkarte in den Händen – gut erhalten ist sie nicht! Sie zeigt das Völkerschlachtdenkmal im Bau. Adressiert an den Gymnasiasten Siegfried Moltke in die Petzscher Straße 11, wollte doch sein Vater (Siegfried Moltke sen.), Schriftsteller und Bibliothekar der Handelskammer, hier die aktuelle Datenseltenheit für eine Postkarte an seinen Sohn nutzen:

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Die Postkarte ist als „Einschreiben“ gelaufen vom Leipziger Postamt 11 (Dufourstraße) am 11.11.(19)11, 11–12 V. (vormittags) in die Petzscher Straße 11. Auf der Postkarte hat Vater Moltke acht (!) Briefmarken untergebracht, um die Karte interessant zu gestalten. Leider kann man dadurch den Text teilweise nur erahnen: „Mein lieber Junge. Diese Karte sendet Dir in der 11. Stunde für 11 × 11 Pfennig (Anm.: 121 Pfennig Porto) vom Postamt 11 im 11. des Monats zur Bereicherung Deiner Sammlung nach Nr. 11 der Petzscher Straße. Dein Vater. 11.11.11.“ Das richtige Porto wäre für diese Postkarte im Ortsverkehr 5 Pfennig plus 20 Pfennig Einschreibgebühr.

Frankiert ist sie mit 121 Pfennig (1,21 Mark). So finden sich „Germania“-Dauermarken (Brustbild der Germania mit Kaiserkrone und Reichsschwert) der Werte 3 (2×), 5 (2×), 10, 25, 30 und 40 Pfennig auf der Postkarte. Der Vater wollte mit dieser „Buntfrankatur“ ein Kuriosum erzeugen, was ihm wohl gelungen ist!

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Kunst- und Handelsgärtner Ferdinand Walter Allendorff hatte als Erster in der Petzscher Straße sein Haus mit umfangreicher Gärtnerei. Das Grundstück gehörte anfangs zur Leipziger Straße und hatte die Hausnummer 74 (später Petzscher Straße 3).

1891 entstand das Doppelhaus Petzscher Straße 9/11. Die Nummer 11 gehörte lange dem genannten Ferdinand Walter Allendorff, bis die Pastorenwitwe Adelheid Friedrich 1898 Hausbesitzerin wurde. Damit ist das Haus noch bei seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg Eigentum der Familie Friedrich (Landgerichtsrat Dr. jur. Artur Friedrich).

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Der Bibliothekar der Handelskammer, Siegfried Moltke sen. (vgl. Postkarte), zog von der Mechlerstraße am 1. April 1911 mit seiner Familie in die erste Etage der Petzscher Straße 11. Seine Sprechzeit war immer nachmittags, eine Stunde. 1936 zieht er in die Leipziger Göschenstraße, 1940 in die Funkenburgstraße und 1942 in die Dresdner Straße. Nach 1945 lässt sich sein Name nicht mehr finden.

Moltkes Sohn, der Gymnasiast Siegfried Moltke jun., der die Postkarte vom Vater in der Petzscher Straße in Empfang nahm, studierte später Medizin. Seit 1923 finden wir ihn als praktizierenden Arzt in Leipzig. Von der Schönefelder Taubestraße geht er in den Hahnekamm. Ab 1931 praktiziert Dr. med. Siegfried Moltke im Haus der Marien-Apotheke, Hahnekamm 2, zwischen Schützenstraße und Wintergartenstraße. Hier finden wir seine allgemeinärztliche Praxis noch in den 1960er Jahren.

Die kuriose Postkarte erinnert heute an die Familie Moltke und an die „alte“ Petzscher Straße 11.

Seit geraumer Zeit ist die Lücke Petzscher Straße 9/11 geschlossen. Mit der Hausnummer 11 ist ein modernes Mehrfamilienhaus entstanden, das durch die ISIHOME Unternehmensgruppe verwaltet wird.

Frank Heinrich

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